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Inspiration

INEZ BOOGAARTS

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Inez Boogaarts, Kulturberaterin und Kulturmanagerin in Rotterdam


 

Du bist Kulturmanagerin in Rotterdam, hast das Dutch Centre for International Cultural Activities aufgebaut, durch die niederländischen Beiträge zur RUHR.2010 Kulturhauptstadt Europas für Aufsehen gesorgt und bist als großer Deutschland-Fan stark im deutsch-niederländischen Kulturaustausch engagiert. Ein Bierchen in Düsseldorfs ältester Altbierbrauerei Schumachers verschmähst Du nie, legendär ist Dein Klapprad im Handgepäck, wenn Du auf Reisen bist, und Deinen Balkongarten liebst Du innig. Woher kommt Deine Leidenschaft?

 

Die treibende Kraft in meinem Leben war es immer gewesen, rauszukommen aus dem, wo ich herkomme. Das Gefühl des „es muss mehr gehen als das hier“. Dass ich nach Deutschland gekommen bin, war eher Zufall. Vorher habe ich auch in Belgien und den USA gelebt. Mein Interesse gilt seit jeher der Entwicklung urbaner Transformation. Nach 9/11 verlor das Thema in den USA jedoch für mich an Relevanz. Und so kam ich als niederländische Diplomatin und Kulturattachée nach Düsseldorf, just als das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt wurde. Ein exotisches Land kommt für mich nicht in Frage. Ich brauche Aufgeräumtheit und Strukturen um mich herum. Was ich an den Deutschen außerdem liebe, ist ihr „Savoir vivre“: nach dem Büro den Tag bei einem Gläschen Bier oder Wein am Rhein ausklingen lassen, die Gastfreundschaft, die vielen netten Leute, die sich auch Jahre später noch unsere „Nachbarn“ nennen – das schätze ich sehr. Und deshalb reise ich jedes Jahr im Urlaub einmal durch Deutschland. Ich liebe Bayern und das Allgäu, aber auch das Ruhrgebiet und Hamburg.

 

In Deinem Wohnzimmer hängt ein Werk des weltbekannten deutschen Fotografen Thomas Ruff. Wer sind die wichtigsten niederländischen Künstler der Gegenwart?

 

Da fallen mir zwei ein: die Installationskünstlerin Marjan Teeuwen – die Fotografie einer ihrer spektakulärer Arbeiten hängt bei mir gleich neben Thomas Ruff –  und der Komponist Simon Ten Holt, der mit seinem minimalistischen Werk Canto Ostinato einen musikalischen Meilenstein setzte – herausragend in der Interpretation des Doelen Ensembles für vier Klaviere.

 

Du bist in Rotterdam geboren und nach vielen Jahren im Ausland wieder dorthin zurückgekehrt. Welche Orte in Rotterdam inspirieren Dich?

 

Das ist einmal die Maas, die auf mich ähnlich wirkt wie der Rhein in Düsseldorf. Der Fluss gibt der Stadt Raum, Weite und Luft, was befreiend wirkt. Dann ist es „Het Industriegebouw“, eine Ikone der Rotterdamer Nachkriegsarchitektur, 1952 erbaut und seit 1991 Nationales Erbe. Die strenge Sachlichkeit des Gebäudes sowie der Optimismus und die Lust an der Moderne, die es ausstrahlt, beeindrucken mich sehr.

 

Kürzlich hast Du Deinen Kulturjob hingeschmissen, weil Du mit der derzeitigen Kulturpolitik der Stadt Rotterdam nicht einverstanden bist. Wie war die Resonanz?

 

Die Resonanz, die ich erhalten habe, war durchweg positiv: Endlich hatte jemand Klartext gesprochen und den unsinnigen Sparkurs der Stadt in der Kultur an den Pranger gestellt. Denn ohne Kultur sind wir Menschen nichts, und eine Stadt wie Rotterdam, die nicht den romantischen Charme von Amsterdam besitzt, verliert an Wert und Attraktivität. Bisher hat sich trotzdem nichts geändert. Es wird sich zeigen, ob diejenigen, die applaudiert haben, nun auch Taten folgen lassen.

Du hast früher als Journalistin und Radexpertin für Fahrradmagazine gearbeitet. Dein Traum ist es, einen Fahrradladen zu besitzen. Was wäre für Dich der Traum, die größte Herausforderung als Radfahrerin?

 

Meine größte Herausforderung besteht zurzeit darin, mir überhaupt erst wieder die Zeit für diese Leidenschaft zu nehmen. Momentan empfinde ich Radfahren eher als Pflicht denn als Vergnügen. Große Touren stehen nicht an, aber vielleicht erkunde ich mal das Baskenland in Nordspanien auf dem Rad.

 

Momentan arbeitest Du freiberuflich als Kulturberaterin und Kulturmanagerin. Was kommt für Dich als Nächstes?

 

Ich möchte lernen, meine neu gewonnene Freiheit als Freiberuflerin wirklich zu genießen. Arbeiten, meine Pflicht erfüllen – das kann ich gut. Mein Leben ganz selbst zu bestimmen und dies mit Genuss zu tun, ist meine nächste persönliche Herausforderung.

 


Interview geführt im Frühjahr 2016